Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
Der Bezirk möge an dem Pamukkale-Brunnen (wie damals beim Stadtschloss) eine Installation aus bedruckten Planen anbringen, damit die Kreuzberger zumindest die Fiktion eines funktionierenden Brunnens statt der tatsächlich existierenden Ruine genießen können, dann aber gleich mit den zauberhaften Ruinen des antiken Heliopolis mit drauf.
Oder wir machen es wie die berühmte Steinlaus von Loriot: Wir schleichen uns alle jedesmal, wenn wir hier vorbeikommen, durch die Zäune und nehmen einen Stein mit nach Hause, dann ist die ganze Installation binnen zwei Monaten abgeräumt und man kann ohne Streit mit dem Künstler was Neues bauen, denn wo nichts mehr existiert, gibt es auch kein künstlerisches Copyright mehr.
Oder wir benennen den Brunnen in “Friedrich-Wolf-Brunnen” um und fragen den Schwiegersohn des Dichters, den Chef von Wall-Toiletten, ob er den Brunnen nicht sponsern will, ich glaube, das wurde sogar schon mal angeboten.
Oder wir organisieren hier laufend Feste, Theaterspiele, Musikparties usw., und nehmen den Brunnen in den Gebrauch des Volkes, ohne lange nach den Bedenken des Bezirksamtes zu fragen. Dann ist der Brunnen ein Symbol für Kreuzberger Witz und Besetzertradition und das finde ich, wäre das allerbeste, nachdem wir unsere Bolle-Ruine vom 1. Mai 1987, die wir so stolz unseren auswärtigen Besuchern gezeigt haben, nicht mehr vorführen können. Auf jeden Fall: High sein, frei sein, Pumakacke muss dabei sein!
Viele Grüße aus Berlin-Kreuzberg von Dr. Seltsam
heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
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