Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
Colin Goldner sprach in der Junge-Welt-Ladengalerie über sein Dalai-Lama-Buch.
Von Dr. Seltsam. Junge Welt 7. Juli 2008
Erwartet hatte man angesichts von Umfang und Faktenreichtum des Buches einen verschrumpelten Stubengelehrten mit vom übermäßigen Aktenstudium gekrümmtem Rücken, stattdessen trat vor das Publikum in der überfüllten Ladengalerie ein blonder Recke mit Bart und schulterlanger Lockenpracht, ein glänzender Entertainer und Humorist, der mit bayrischem Akzent vor keiner Drastik zurückschreckte: “Krankheiten behandelten sie mit Urin und Kotkügelchen der Lamas. Sie lachen, aber im Heinrich-Harrer-Museum in Kärnten können Sie das alles besichtigen “.
Colin Goldner ist ein wahrer Doktor der Psychologie, er leitet eine Beratungsstelle für Psychokult-Geschädigte und weiß offenbar, wovon er spricht. Er begann seinen aufregenden Vortrag mit eigenen Erfahrungen. Als Entwicklungshelfer in Nepal an der tibetischen Grenze begegneten ihm erstmals Rotkutten-Mönche, die mitleidlos bettelnde Äffchen totschlugen. Seitdem erforscht er den Lama-Buddhismus: Die Mönche und Lamas erheben sich arrogant über alle anderen Lebewesen, die zur Strafe für Verfehlungen aus vorigen Leben in eine niedere Reinkarnation zurückgestuft wurden, als Esel, Affe, Wurm oder schlimmstenfalls als Frau. Da macht es nichts, wenn diese Wesen mit schlechtem Kharma selber schlecht behandelt werden, um so eher können diese Erlösung finden. Dieser Glaube erlaubt es nicht nur, Kinder, Sklaven und Frauen zu quälen, sondern ist gleichzeitig gegenüber Nichtbuddhisten, Schwulen und den nationalen Minderheiten in Tibet offen rassistisch.
Tibet war das ärmste Land der Welt, ohne Schulen, Kliniken, dennoch stahl der Dalai-Lama bei seiner “Flucht” vor den Chinesen 1959 tonnenweise Gold und Silber und richtete sich damit sowie mit Zuwendungen von CIA und Soros-Stiftung und dem ständigen Zustrom weltweiter Spenden in einem englischen Gouverneurspalast in Nordindien komfortabel ein (in Dharamsala). Von hier aus erreicht sein Propagandabild vom Shangrila die dümmeren Teile des Weltspiritismus: Das alte Tibet sei ein Paradies auf Erden gewesen, die Menschen lebten friedlich im Einklang mit der Natur, liebten ihre Lamas und konnten für die Abkürzung der Höllenqualen nach ihrem Tod zu Lebzeiten Punkte sammeln, indem sie Spenden in die Klöster trugen oder ihre Knaben ab dem zarten Alter von drei Jahren für die Mönchskarriere dort abgaben, damit sie in Jahrzehnten disziplinierter Unterweisung die Chance zum Aufstieg zum Lama haben.
heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
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