Zu der Frage nach dem Grund der präolympialen China-Hetze in den westlichen Medien vermittels Free-Tibet-Kult und falschen Darstellungen wusste der Botschafter von der  “Tibeter-Jugend” zu berichten, junge Antikommunisten, die in Colorado vom CIA ausgebildet wurden, und dass es der Plan der USA sei, “China zu teilen, solange es arm ist”. Die Exil-Tibeter gaben wohl offenherzig zu, dass es den Amerikanern darum ginge, die inzwischen viertgrößte Volkswirtschaft auf ihrem sozialistischen Weg zur Weltmacht zu stoppen. Mit einer Wachstumsrate seines Bruttoinlandprodukts von 10 % ist es ein zu starker Konkurrent auf dem Weltmarkt, den es zu schwächen gilt.

Mit von der Partie seien bei diesem Projekt auch die Deutschen: Die Naumann-Stiftung (FDP) und die Heinrich-Böll-Stiftung hätten einen Fahrplan entwickelt, wie man mit Hilfe der Menschenrechtsfrage China destabilisieren könne - Teile und herrsche. Das erklärt auch, warum der Dalai Lama bei allem angeblichen Unabhängigkeitsverzicht auf seinem Großtibet besteht, das sämtliche Gebiete einbezieht, in denen tibetische Minderheiten leben: Über ein Drittel des chinesischen Staatsgebiets wären davon betroffen … In Zukunft alles Tibet? Jedenfalls ein ideales Aufmarschgebiet für die USA im Innersten Asiens.

Die älteren Tibeter seien Mao heute noch dankbar für ihre Befreiung, berichtete Herr Jia. Die Unzufriedenheit im Land käme von Dalai-Lama-hörigen Mönchen, Nachfahren der Adligen, sowie Jugendlichen, die sich mit dem Hören der amerikanischen Radiosender Radio Free Asia und Voice Of America einer freiwilligen Gehirnwäsche unterzögen. In der Tat gäbe es aber auch berechtigte Kritik an China: chinesische Beamte, die “sich schlecht benehmen”, Arbeitslosigkeit und frühkapitalistische Arbeitszeiten machten den Menschen das Leben nicht gerade leicht.

Auf die Ausschreitungen aber habe die chinesische Polizei zu zurückhaltend reagiert gemessen an der Brutalität der Mönche. Diese Auffassung steht in diametralem Gegesatz zu dem, was westliche Medien berichten, deren Glaubwürdigkeit Herr Jia aufgrund von nachweisbaren Falschmeldungen stark anzweifelt. So hat der amerikanische Sender CNN einen massiven Imageverlust erlitten: “Chinese Negative News” nennen ihn die Chinesen heute.

Für den weiteren Verlauf des Tibet-China-Konflikts prognostizierten Dr. Seltsams Gäste Bedenkliches: Herr Jia rechnet mit Selbstmordattentaten während der Olympiade, Herr Bertold grault sich vor dem nächsten Deutschland-Besuch der heiligen Grinsebacke am 19.Oktober. Einziger Hoffnungsschimmer: Am 4. Juli stellt in der Ladengalerie der Jungen Welt der Autor Colin Goldner sein neues Buch mit Enthüllungen über die Machenschaften der Gelbmützensekte des Dalai Lama vor - nur für starke Nerven.