Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
Wir werden nicht gefragt, ob wir geboren werden wollen, da würde vielleicht so mancher lieber Nein sagen.
Wir werden nicht gefragt, ob wir wachsen wollen, stärker und klüger werden, da sagen die meisten nicht nein sondern warten sehnsüchtig auf die ersten Barthaare und die wachsenden Brüste.
Dann werden wir nicht gefragt, ob wir gesund bleiben, ob wir eine Beziehung haben, ob wir arbeiten wollen, da gibt es einen leisen Zwang der Gesellschaft. Und am Ende wird man nicht gefragt, ob man sterben will. Alles das passiert mehr oder weniger unabhängig von unserem Willen und wir können uns nur dieser natürlichen Entwicklung anpassen und das Beste draus machen; sehen was kommt und tun was erforderlich ist. Das heißt: Cool bleiben.
Natürlich will ich Euch keine Angst vor dem Erwachsenwerden einreden, denn die Natur hat es so wunderbar eingerichtet, daß Ihr mit jedem Tag mehr Wachsen und mehr Verantwortung auch mehr Spaß und schöne Gefühle und Stärke und Selbstbewußtsein bekommt.
Sex macht mehr Spaß wenn man Orgasmen bekommt, Wandern, Radfahren, Schwimmen macht mehr Spaß, wenn man immer schneller wird und sogar selber Leuten helfen kann. Man läuft besser, man kann den Rettungsschwimmer machen oder sich als Pfadfinder am Naturschutz in freier Wildbahn beteiligen oder mit Greenpeace Wale schützen.
Mehr Kraft heißt, daß man sich einen Ferienjob suchen und sich ein Mofa kaufen kann.
Am tollsten aber ist, daß Ihr immer schlauer werdet! So ungefähr bis 25 Jahre nimmt euer Gehirn immer mehr zu und ich hoffe sehr, Ihr merkt das und genießt das und ballert euch nicht das Hirn mit Videospielen und Medien zu, sondern lest viel und meditiert und denkt nach.
Selber Denken ist das größte Vergnügen was es gibt. Ich weiß noch genau, was der definitiv erste Gedanke war, auf den ich ohne Vorbild gekommen bin: “Hallo liebe Wahrheit, dachte ich, wenn es Dich wirklich gibt, dann melde Dich bitte schleunigst bei mir, ich hab nämlich keine Lust, alle Philosophiebücher und Religionsbücher durchzuwälzen, das dauert mir viel zu lange, ich will aber wissen, was Wahrheit ist”. Als ich das dachte, war ich zum ersten mal mit vierzehn im Theater gewesen und es war der 4.April 1966, meine große Schwester hat das für mich aufgeschrieben und mir Jahre später erzählt. Egal ob es so stimmt, aber das bin original ICH.
heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
Hinterlasse eine Nachricht
Du musst angemeldet sein um einen Kommentar zu hinterlassen.