Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
In den letzten Jahren waren viele Links-Chefs so freundlich, sich von mir öffentlich befragen zu lassen, so daß ich glaube, ihre Konzepte zu verstehen. Im Unterschied zu manchen JW-Kollegen billige ich sie sogar teilweise. Lafontaine will sich an der SPD rächen und peitscht sie zu demagogischen Höchstleistungen - das sehe ich gern, aber es ist auch nicht schwer, denn die Beck-SPD ist die dümmste die es je gab. Gysis Aufgabe ist, die Fraktionen offen zu halten für eventuelle Regierungsbeteiligungen und bei der liberalen Bourgeoisie gut Wetter zu machen, damit sie sich das gefallen lässt. Gegen das Mitregieren ist prinzipiell nichts einzuwenden: Aber der Preis muß mindestens die Verdoppelung von Hartz IV sein und zehn Prozent mehr Gehalt für den öffentlichen Dienst. Wenn man das nicht hinkriegt, hat man in einer Regierung nichts verloren oder vertreibt die Wählerschaft wie in Berlin.
Die absurde Idee, der Ausgleich des Staatshaushalts wäre linke Politik, kann nur Leuten einfallen, die ihr Betriebspraktikum bei IBM gemacht haben und auch dort nicht recht aufgepaßt haben; dies ist der Staat der Bourgeoisie, der Staat der Reichen, sollen die doch sorgen, wie sie ihn bezahlen, die Linke hat nur die Pflicht ihre Klientel nicht verhungern zu lassen. Ohne eine klare linke Führung mit Lafontaine und seiner penetranten Forderung nach einem Systemwechsel, und ohne marxistische Antikapitalisten wie die Kommunistiche Plattform ist die Linkspartei nur noch eine PDS, d.h. ein Haufen von Karrieristen, die endlich irgendwie im Westen ankommen wollen und keine weiteren Ziel haben als in ihren verlassenen Ostdörfern Bürgermeister zu werden. Aber die Linke ist mehr als die Linkspartei und vielleicht wird sie sich eines Tages ohne sie behelfen müssen.
heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
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