Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
Die Grundforderung muß sein, daß jeder Parteifunktionär und jeder Abgeordnete und jeder, der mit Hilfe der Partei einen Posten bekommen hat, praktische Sozialarbeit leisten muß. Wer soviel wie hundert Hartz-4-Empfänger einnimmt, sollte wissen, daß er soviel nicht verdient und mindestens 90 % ans Volk zurückgeben müsste und zwar praktisch und in Geld. Die Fraktionsheilige Kipping redigierte jüngst eine Propaganda-Broschüre zu Hartz IV, in der alle Rechtsmittel angegeben sind, aber keine einzige Parteiadresse, wo der Arme Hilfe bekommt; und sie selber spendet die Diätenerhöhung unverschämt ihrem eigenen “Prager Frühling”- Verein. Sowas nennt man Selbstbedienung.
Dazu die Diskrepanz zwischen den arbeitsrechtlichen Forderungen der Partei, die sich offiziell für Kündigungsschutz und Mindestlohn einsetzt, deren Abgeordnete aber Mitarbeiter auf 400 Euro-Basis beschäftigen, grundlos kündigen oder ihren ganzen Stab halbjährlich auswechseln, - Heuern und Feuern wie im Wallstreet-Kapitalismus als Grundprinzip. Schon beim Abrutschen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in den Krieg 1914 spielten rechte Mehrheiten auf den Parteitagen eine verhängnisvolle Rolle, bestehend aus Parteibeamten, die sofort auf Stütze wären, wenn sie ihren Posten verlören. Daß diese Funktionäre kein Interesse an einer radikalen linken “abenteuerlichen” Politik haben, ist evident - wer will schon seine eigene Existenz gefährden um anderen zu helfen? Aber links ist das nicht.
Und erfolgreich im übrigen auch nicht. Die Linkspartei lebt im Moment von dem ungeheuren Vertrauensvorschuß, den die Ruinierten und Entrechteten ihr schenken, weil sie erwarten, daß die Partei etwas für sie tut. Sobald diese Wähler sich anders orientieren, ist die Linkspartei erledigt, denn der Platz in der “Mitte” bei den Steuerzahlern und “Leistungseliten” ist besetzt. Aber mit zehn Millionen Armen, die man organisiert, kann man jedes Parlament lahmlegen und jede Regierung platzen lassen – eine Horrorvorstellung für die, die nichts anderes wollen als mitregieren! Keine Angst, die Regierungsbeteiligung kommt so sicher wie das Amen in der Kirche: Die SPD wird die Linke gebrauchen, um die nächsten Sozialschweinereien fürs Kapital durchzusetzen.
heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
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