Ab Januar 1927 ist Ossietzky verantwortlicher Redakteur der Weltbühne “unter Mitarbeit von Kurt Tucholsky”. Sofort der erste Krach: “Beleidigung von Mannschaften und Offizieren des Kreuzers `Hamburg´” kostet 500 Mark Geldstrafe. Die Weltbühne beweist die Verantwortung der Reichswehr für rechte “Fememorde” und kassiert ein und zwei Monate Gefängnis (Jacob und O.) 1928 kostet die Aufforderung an Linke, gegenüber dieser Justiz jede Mitarbeit zu verweigern, wieder 50 Mark. Nach vielen Versuchen der Weltbühne juristisch beizukommen gelingt es dem Reichswehrminister Groener endlich 1929 für “Windiges aus der Luftfahrt” von Walter Kreiser ein Verfahren wegen Landesverrat einzuleiten und dafür Ossietzky 16 Monate aufzubrummen. Noch im Jahre 1992 weigerte sich der Bundesgerichtshof, dieses Urteil “Landesverrat”  zu ändern mit der höhnischen Bemerkung, es habe sich an der Rechtsordnung seit damals ja nichts geändert. Damit weisen die Bundesrichter die Bemühungenn von Ossietzkys Tochter Rosalind zurück, die Ehre ihres Vaters wiederherzustellen und mit demselben Vorwand wird jahrelang verhindert, die neue Universität in Oldenburg nach Ossietzky zu benennen. In dem inkriminierten Artikel wurde aus öffentlichen Quellen belegt, daß die Reichswehr seit Jahren den Versailler Friedensvertrag bricht durch heimliche Aufrüstung auf dem Gebiet der Sowjetunion: Kein Wunder, daß danach die moskauverbundenen Kommunisten Ossietzky nicht allzu freudig verteidigten und noch bei dem Prozeß gegen Marschall Tuchatschewski und seinen “Trotzkismus” 1938 spielen Vorwürfe eine Rolle, die Sowjetarmee habe sich mit der deutschen Reichswehr zu weit eingelassen.

Dann folgt das Verfahren gegen die berühmte “Soldaten sind Mörder!”-Glosse von Tucholsky im August 1931, dafür gibt es zwar am Ende Freispruch, aber Ossietzky wird erst im November 1932 aus dem Gefängnis entlassen und hat nur noch zwei Monate Leben in Freiheit vor sich. Wegzureisen lehnt er bis zuletzt ab mit der Begründung, wenn alle fliehen gebe es gar keinen Widerstand mehr. Es folgen die letzten Wahlen und in der Nacht des Reichstagsbrandes am 28.Februar 1933 wird Ossietzky verhaftet und in verschiedenen KZ langsam zugrunde gerichtet. Interessant, daß die Nazis seine Adresse nicht wußten, denn er hatte “kein Namensschild an der Tür”, sondern von der sozialdemokratisch gefürten preussischen politischen Polizei bekamen, ein Hinweis, der angesichts der heutigen Datensammelwut der Behörden nicht fehlen sollte.

Ein internationaler Freundeskreis schafft es, den Friedensnobelpreis 1935/36 für Ossietzky zu erlangen, dieser politische Sieg reißt den Nazis gerade im Olympiajahr die Maske weg, schützt ihn zwar vor dem direkten Totgeschlagen werden, aber die letzten Monate seines Lebens verbringt er todkrank in quälender Armut, weil sein Anwalt und die Nazis ihm gemeinsam die Geldprämie von Nobel klauen, mieseste Gangster noch am Sterbebett. Kaum jemand hat die menschliche Niedrigkeit der Reaktion tiefer gekostet als Carl von Ossietzky, die Kumpanei der Täter reicht bis in die Gegenwart.