Anhang:

Der in Absatz 1 zitierte Artikel von Arno Klönne: “Tollheit 1968” - Der Legendenmarkt floriert (06.03.08)

Götz Aly oder der Neuaufguss
des Songs “Rot ist gleich Braun”

von Arno Klönne in Sozialistische Zeitung

Die alten Versuche, 68 in die Terroristenecke zu stellen, ziehen nicht mehr so richtig. Da scheint die vermeintliche Selbstbezichtigung eines Renegaten eine wirkungsvollere Demontage zu sein.

Wer sich der nicht gerade leicht zu ertragenden Anstrengung aussetzt, aktuelle Druckerzeugnisse im Spektrum von rechtsbürgerlich bis rechtsaußen zu studieren, stößt immer noch auf althergebrachte Anklagen: Das historisch bewährte Wertesystem von Ehre und Treue, von Familie und Vaterland habe sie zerstört, die Kulturrevolution von 1968, mit dem ideologischen Vorschlaghammer der Frankfurter Kritischen Theorie. Oder, mehr wirtschaftspädagogisch auftretend: Einen “Epochenumbruch” in Richtung “Faulheit und Mittelmaß” hätten die revoltierenden Studenten ausgelöst (Kai Dieckmann in Bild).

Allerdings wirken solche Klagelieder etwas fad, und so braucht der Erinnerungsmarkt frische Angebote, auch solche für Kunden, die das Gefühl haben, mit dem Jahr 1968 könnte sich denn doch geschichtlich Fortschrittliches verbunden haben. Aufmerksamkeitsökonomisch steht hier zur Zeit Götz Aly mit seiner Offerte an der Spitze; sein Werk mit dem verkaufsträchtigen Titel “Unser Kampf” kam schon zu feuilletonistischem Erfolg, bevor die Buchhandlungen es zur Verfügung hatten. Das Werbesignal dafür gab ein Vorwegbeitrag Alys in der Frankfurter Rundschau - dort sicherlich besser platziert als etwa in Springers Welt, weil das Frankfurter Blatt ja immer noch im Geruch der Linksliberalität steht. Das richtige Medium also, um beispielhaft die Selbstkritik von 68er “Wilden” vorzuführen.