Tropa de Elite – Katyn – Jeanne Moreau - Die Welle

Dr. Seltsam für die Zeitung Antifa 5/2008

Für den Antifa-Filmfan war die Berlinale diesmal nicht sehr ergiebig. Den ersten Preis gewann der brasilianische Semidokumentarstreifen “Tropa de Elite” (Elite-Einheit) von dem jungen linken Regisseur José Padilha. Die Geschichte zeigt das Innenleben der Antidrogen-Polizei in den Favelas, den weltbekannten Armenvierteln. Auf der Pressekonferenz sagte Padilha, die Armen haben keine Wahl, entweder werden ihre Viertel von den Drogenhändlern beherrscht, die die Kinder zu Kurierdiensten zwingen und alle erschießen, die ihnen widersprechen, oder die Viertel werden von Polizei-Einheiten “befreit”, die viel schlimmer herrschen, für jede Dienstleistung wie Wasser oder TV-Anschluss Gebühren verlangen und binnen zwei Jahren Millionäre sind. Von einigen Medien wurde dieser Film als “protofaschistisch” bezeichnet, weil er in schmerzhafter Intensität die Ausbildungsmethoden der Killerpolizei beschreibt und hautnah ihre Foltermethoden. Der Film zeige sozusagen Making of SS und würde damit bei kritiklosen jugendlichen Zuschauern die Lust am Töten und Foltern auslösen.

Aber genau mit diesen Argumenten versuchte die betroffene Polizei selber, die Aufführung des Films zu verhindern. Doch ein brasilianisches Gericht hatte entschieden, daß die Polizei in Wahrheit noch viel schlimmer sei (die jährlich allein in Rio über 2000 Menschen killt) und hat den Film zugelassen. Daraufhin wurden die Dreharbeiten behindert wo es nur ging und am Ende wurde der Rohschnitt geklaut. Die Mafia hat den Film illegal kopiert und über 10 Millionen mal verbreitet, noch vor der Premiere! Es gab gesellschaftliche Diskussionen wie nie zuvor, über Drogen-Freigabe und Kontrolle der Polizei. Bei soviel positiven Wirkungen ist jede mäkelige Kritik fehl am Platz. Gedreht wurde mit mehreren Kamerateams, die Darsteller agierten ohne Unterbrechungen, so daß die Aufnahmen wie Bilder von Nachrichtensendungen wirken, ohne das künstliche Verwackeln und Verwaschen wie beim dänischen Dogma. Mindestens für diese originelle Machart war der Goldene Bär berechtigt.