3. Oktober / 7. November 2007

Ein Reisebericht von Dr. Seltsam

Ich hatte immer ein bißchen Angst vor Auschwitz, ich fürchtete schlechte Träume danach und lange Depressionen, wie ich sie nach Mauthausen hatte. Aber ich bin jetzt über 50 und irgendwann soll man sich als deutscher Mensch seiner Geschichte stellen. Schließlich gab den Ausschlag, daß der KZ-Besuch ausgerechnet für den 3. Oktober geplant war und das ist sicher die beste Art, diesen perversen Nationalfeiertag angemessen zu begehen. Die Teilnehmer der Junge-Welt-Leserreise trafen sich vor Abfahrt und am Ende der Fahrt in der Redaktion zum Austausch ihrer Erwartungen und zum Kennenlernen. Neben den Organisatoren, dem Redakteur Stefan Huth und der Historikerin Dr. Susanne Willems waren zwanzig mehr oder weniger prominente Leser und Autoren beteiligt, so die Peter-Hacks-Biografin aus Frankreich, ein kommunistischer VW-Arbeiter, Motoradfans und die Tochter vom Chefredakteur. Das Fazit von fast allen Teilnehmern war, daß man sich in einer mehr oder weniger linken Gruppe einigermaßen geborgen fühlte, was angesichts der niederschmetternden Wirkungen
des KZs wohltuend ist. Jeden hat an irgendeiner Stelle der Reise die emotionale Wucht der Nazibrutalitäten überwältigt, bei mir war es angesichts der Kinder: Wieviele zukünftige Einsteins und Gerrons sind hier zerstört worden! Die Hohlheit unsrer Kultur- und Medienwirklichkeit gibt täglich Zeugnis davon, dass die besten Geister Europas nachhaltig ausgerottet wurden, und damit meine ich  nicht nur die Juden.

Vor der Abreise wurde manche groteske Beleidigung diskutiert, die man als Kommunist heute beim Besuch von KZ-Gedenkstätten einstecken muß, etwa die “Roten Kapos” von Buchenwald oder das “NKWD-Speziallager” in Sachsenhausen, und man hoffte, das würde in Polen anders sein, schließlich hat eindeutig die Rote Armee das Lager befreit und es wurde nicht “weiterbenutzt”. Aber je länger wir in den KZ-Resten umherzogen, umso mürrischer wurden wir: Auf dem Haus der Neuen Kommandantur von Birkenau  prangt heute eine großes Holzkreuz über das ganze Lagergelände, es wurde in eine Kirche umgewandelt! Die Befreiung Auschwitz`durch die Sowjetarmee wird zwar von den Museumsführern erwähnt, aber es gibt davon keine sinnlichen Zeichen mehr, kein Denkmal, keine Bilder. Der kleine sowjetische Soldatenfriedhof am Eingang ist weitgehend befreit von roten Sternen etc. Die russische Abteilung der Memorial-Ausstellung ist seit Jahrzehnten gesperrt, obwohl die weitaus meisten Nazi-Opfer Russen waren. Deutsche Opfer und polnische Kommunisten kommen überhaupt nicht vor; “unsere Regierung saß in London”, erzählte der eindrucksvolle ehemalige Direktor des “Muzeum Auschwitz” Kasimierz Smolen in gutem Deutsch, seinerzeit im Untergrund und dann Lagerschreiber.

Das alte Aufbewahrungshaus der SS für die Büchsen mit Zyklon B, das sogenannte Theater,  ist heute ein Christenverein, lange ein Kloster der Karmeliterinnen, und ein riesiges Holzkreuz von Papst Woityla beherrscht die Hinrichtungsstätte an der alten Kiesgrube und überragt die Mauern. Katholiken aus aller Welt hatten hier einen Wald von Kreuzen aufgestellt, die nach israelischen Protesten wieder entfernt worden sind. Janusc Korczac, ein weltberühmter progressiver Pädagoge, der mit seinen Kindern ins Gas ging (allerdings in Treblinka), habe ich nicht erwähnt gefunden, dafür Pater Kolbe, vor einigen Jahren in Rom heiliggesprochen; er ließ sich anstelle eines Familienvaters freiwillig in den Hungerkerker sperren und starb, ob allerdings den “Märtyrertod”, darf bezweifelt werden, den Nazis war Christus ziemlich egal, sie wollten vor allem alle Polen ausrotten, die Abitur hatten, um  nachhaltig jeden Widerstand zu verhüten. Eine Art Altar für den seligen Kolbe ist ausgerechnet in dem Keller in Auschwitz I, der als erste Versuchsgaskammer für 850 sowjetische u.a. Gefangene diente. So entsteht je länger je mehr der Eindruck, daß katholische Kräfte im Bunde mit dem reaktionärsten polnischen Nationalismus und der Kazinsky-Regierung das “Muzeum” für ihre Propaganda okkupiert haben. Sicher waren die ersten Opfer Mitglieder des polnischen Widerstands, aber der bestand doch wohl aus mehr Fraktionen als nur der antikommunistischen Heimatarmee.

Nationalismus, Katholizismus und Trupps von jungen Israelis mit Nationalflagge überdecken die historische Funktion von Auschwitz als Arbeitsbörse des deutschen Großkapitals. (Wie autoritativ die offiziellen Muzeums-Verwalter gegen diese Ansicht vorgehen, dokumentiert der Anmerkungskrieg im Auschwitzbuch: ” …Salmen Löwenthal: “Die Geschichte von Auschwitz-Birkenau als Arbeitslager im allgemeinen, und im besonderen als  Vernichtungslager von Millionen Menschen wird – wie ich glaube - der Welt nicht gut genug überliefert”. Anmerkung des Herausgebers: Auschwitz war kein Arbeitslager, es war ein Konzentrations- und Vernichtungslager, in dem Arbeit eine Methode der Vernichtung war. (F.P.)” Auschwitz, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau 2005, S.273) Aber: Niemals stand der deutschen Wirtschaft billigere Arbeitskraft zur Verfügung. (ebd.175)

Wer es nicht besser weiß, bekommt beim bloßen Durchschreiten des “Muzeums” den Eindruck, daß Auschwitz offenbar vom Vatikan befreit wurde! Daß Pius XII. ein guter Freund Hitlers war und ihn als erster diplomatisch anerkannt und zu seinem antibolschewistischen Kreuzzug animiert hat, weiß hier keiner. Als ich angesichts einer Bestellung von Zyklon B zum Zwecke der “Judenumsiedlung” durch den SS-Offizier Kurt Gerstein, die dort im Original ausliegt, darauf komme, daß es sich hier um denselben Gerstein handelt, der den Vatikan über die Judenmorde informierte, wie Rolf Hochhuth es im “Stellvertreter”(1963) darstellte, sagt mir die Museumsführerin, daß hier in den Räumen darüber nicht diskutiert werden darf. Allerdings gibt es hier überhaupt keinen Ort, wo über die Mittäterschaft der Kirchen diskutiert werden darf. Nicht mal ihre eigenen Patres und Nonnen, die von den Nazis getötet wurden (z.B.Edith Stein), hat die Kirche in Schutz genommen, stattdessen laufen zahlreiche Gruppen von uniformierten Priestern und Nonnen herum, meist aus Südeuropa, denen hier erkärt wird, daß ihr Gott Auschwitz zugelassen hat, um den Christen die Chance zum Martyrium zu geben. Wie gnädig. Und was war Sein Plan mit den Juden?

Stalin befahl die Befreiung von Auschwitz und die Rettung und Heilung der überlebenden Häftlinge, trotz schwerster Versorgungslage der Sowjettruppen. Darüberhinaus, und das ist politisch vielleicht noch bedeutsamer, befahl er die genaue Untersuchung der Naziverbrechen in Auschwitz; denn die Nazis meinten alle Beweise zerstört zu haben und haben ja noch lange behauptet, sie wüßten von  nichts. Umso wichtiger waren diese authentischen Berichte der Ärzte und Sachverständigen, die dem Nürnberger Gerichtshof vorgelegt werden konnten. Ehemalige Gefangene veröffentlichten einen “Appell an die Internationale Öffentlichkeit”, in dem sie die Nazitäter anklagten:  “…Gemeinsam mit etwa 10.000 geretteten Häftlingen aller Nationalitäten bitten wir, die Verbrechen und ungeheuerlichen Grausamkeiten der Hitlerleute nicht ungesühnt zu lassen. Die Geretteten verdanken ihr Leben der tapferen Roten Armee und bitten die internationale Öffentlichkeit und alle Regierungen, dies zur Kenntnis zu nehmen und ihr in unserem Namen Dank auszusprechen…” (Aus Ehrenburg/Grossman: Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden Rowohlt; Hamburg 1994, S.904) Von diesem Geist ist im MUZEUM AUSCHWITZ heute nichts zu spüren.

Stalins Name, die Führer der Roten Armee, die Befreier, kommen nirgends vor, dafür steht “Katyn” auf dem übergroßen Gedenkkreuz an der Marktkirche von Oswiecim, obwohl die Urheberschaft dieses Massakers immer noch nicht zuverlässig geklärt ist.  Auf den Erklärungstafeln im “Muzeum” steht kein deutscher Text, weil es noch Überlebende gibt, die Anfälle kriegen, wenn sie deutsch lesen müssen, zurecht. Außerdem kann man am Stacheldraht genug original deutschen Text lesen: “Vorsicht Hochspannung Lebensgefahr”. Der Galgen, an dem der Lagerführer Höß mit dem Gesicht zu seiner Wirkungsstätte 1947 aufgehängt wurde, steht noch neben der “kleinen” Gaskammer in Auschwitz I und ist ein Trost in dem endlosen Grauen. Leider soll genau dieses Zeichen demnächst entfernt werden, wie uns die heutige stellvertretende Muzeumsdirektorin  Krystyna Olesky berichtete. Frau Olesky erzählte uns auch von den makabren Zahlenspielen der “modernen Geschichtswissenschaft”: Früher würden die polnischen Juden als “Polen”, mithin Polen als eine der größten “Opfernationen”gerechnet, nun habe man aber die Juden “rausgerechnet”, jetzt habe man nur noch 140.000 Polen und 4 Millionen Juden. Ob die getöteten Menschen damit einverstanden sind, noch postum ihrer Staatsangehörigkeit beraubt zu werden, wurde nicht diskutiert. Der polnischen Regierung gefiel es und auch Israel kann so rückwirkend die Toten aller Nationen als eigene Staatsbürger reklamieren. Die Anmerkung, daß man damit ja die Rassengesetze der Nazis noch im Nachhinein übernimmt, verschluckte ich lieber. Die banale Macht des Antisemitismus wirkt übermächtig weiter:

Ich lernte aus dem einzigartigen Werk von Pelt/Dwork “Auschwitz von 1270 bis heute” (Büchergilde Ffm1999), daß sich die polnische Regierung weigerte, am 27. Januar 1995 bei den offiziellen Feiern zur Befreiung von Auschwitz des jüdischen Holocaust zu gedenken. Über diese überhebliche Bagatellisierung des Leidens ihrer Glaubensbrüder erzürnt, veranstalteten jüdische Gruppen in Birkenau eine gesonderte Feier. Zu ihnen gesellte sich Roman Herzog, deutscher Bundespräsident und einziger Würdenträger, der den offiziellen Feiern in Krakau fernblieb. “Zwar wissen wir, daß Gott gnädig ist, doch bitten wir dich, habe keine Gnade für jene, die diesen Ort schufen,” betete Elie Wiesel, Auschwitz-Überlebender. “Erinnere dich an die nächtliche Prozession von Kindern, von mehr Kindern und noch mehr Kindern, so verängstigt, so schön. Wenn wir nur eines von ihnen erblicken könnten – unser Herz würde brechen. Doch es brach nicht das Herz der Mörder.” Im 50 Kilometer entfernten Krakau klagte Walesa in der Jagiellonen-Universität über die Versuche der Deutschen, Polens intellektuelle und geistige Stärke zu vernichten. Die Juden erwähnte er nicht. (S.411)

Die Armee in Israel hingegen finanziert für Angehörige der letzten Gymnasialklassen regelmäßige Auschwitzfahrten, um hier Kraft und Gefühle für den aktuellen Kriegsdienst zu sammeln. Von diesen Gruppen, die in beschwörenden Ritualen ihrer toten Vorfahren gedenken und dabei mit ihrer Nationalfahne und  völkischem Brimborium Zeitzeugen hören und mit Haß auf die Mörder ihrer Großeltern angefüllt heimkehren zum Krieg gegen die Palästinenser, wimmelt es in Birkenau. Es sieht so harmlos aus, und ich wurde erst von einer Israelin in Berlin darüber aufgeklärt, daß diese Schülerreisen ein Beitrag zur Wehrertüchtigung sind; sie selbst hatte sich strikt geweigert, daran teilzunehmen, obwohl ihre Großmutter dort getötet wurde. Sie ist eine strenge Gegnerin des Israelischen Kriegsregimes und sie hält es mit Fanny Reisin:

“Die Regierenden in Israel mißbrauchen nicht nur meinen Namen. Sie haben die Stirn, sich auf meine ermordeten Vorfahren zu berufen. Sie schämen sich nicht, meine in den KZs und Massengräbern des Naziregimes um ihr Leben gebrachten Großeltern zur Rechtfertigung ihrer Untaten in Libanon und Palästina heranzuziehen. Die Toten können sich nicht wehren. Aber ich, die ich im Schatten ihrer Ermordung geboren wurde und aufwuchs, spreche Ihnen das Recht ab, Ministerpräsident Olmert, Verteidigungsminister Peretz und allen voran Ihnen, Oberkommandierender Halutz, ich spreche Ihnen das Recht ab, sich auf mein Gedenken an die schuldlos Ermordeten zu berufen, wenn rohe Gewalt Ihr Programm und Mord und Zerstörung Ihr Tun ist. Es schändet die Toten, wer im Gedenken an sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht.”( Fanny-Michaela Reisin “Nicht in unserem Namen!”Ansprache bei der Demonstration “Stoppt den Krieg in Libanon und Gaza” , Berlin 15.08.2006)

In dem ausführlichen Gespräch mit der Vizedirektorin Olesky kritisierten wir, daß der Aspekt der rassistischen Judenvernichtung fast ausschließlich das heutige Auschwitz-Bild beherrscht, die wirtschaftliche Verwertung der Häftlingsarbeit dagegen gar nicht mehr vorkommt: Das Lager AuschwitzIII Monowitz IG Farben ist komplett unauffindbar als hätte es nie existiert, die über 80 Arbeitslager, für die Auschwitz die “Zeitarbeiter-Vermittlungstelle” war, sind kaum Gegenstand der Ausstellungen. Bei IGFarben-BASF durften sogar Zivilangestellte die Selektion ausüben und die “Muselmanen” der SS zurückgeben. Die Unterschiede zwischen Russen/Polen/Juden/Ukrainern etc. verschwimmen angesichts dieser betriebsrationellen Personalführung.. Bei Pelt/Dwork lese ich: “Im April trafen zehn slowakische Transporte ein und es wurden 9655 slowakische Juden registriert. Keiner dieser Transporte brachte alte Personen oder kleine Kinder, und es gab keine Selektionen an der Rampe,” sondern die Arbeiter wurden den deutschen Firmen zur Vernutzung überstellt. Waren die Arbeiter “fertig”, wurden sie von der SS gegen frische neue Menschenware getauscht. “Es sind paradiesische Verhältnisse fürs Kapital, wenn die Arbeitskraft nichts kostet,” sagte mir mal der Stadtführer in Linz-Mauthausen.

Dabei hatte gerade Auschwitz eine zwingende ökonomische Logik; es stand verkehrsgünstig an einem Knotenpunkt der europäischen Handelswege und Eisenahnen, “auf  Kohle”, und sollte Herzstück eines Feudalreiches der SS im Osten werden. (Himmler ließ sich schon Ehrenhallen und Bürosessel entwerfen, sh. Pelt/Dwork S. 250) Unser geliebter Ehrenvorsitzender der VVN , Julius Goldstein, mußte in der Kohlenzeche Brzeszcze-Jawiszowice untertage Zwangsarbeit leisten und ein Teil unserer Gruppe folgte seinen Spuren in 750 Meter Tiefe. Die Selektion, die Trennung der Arbeitsfähigen von den Unfähigen, erinnert an das Fördern und Fordern der Hartz-Agenda: Alle Überflüssigen, die nicht für die Arbeit gebraucht werden, sollen möglichst wenig kosten. Der Zwang, sich ausbeuten zu lassen oder schnell zu sterben, ist der einzige Existenzzweck des Menschen im KZ wie im Kapitalismus. An jedem Häftling verdienten sie im Durchschnitt 1700 Reichsmark, sagt Michail Romm in dem Film “Der gewöhnliche Faschismus”, nach Abzug der Vergasungs- und Verbrennungskosten von 10 Mark. Je mehr wir uns über diese Frage ereiferten, desto klarer wurde mir, daß Auschwitz im Gegenteil ganz “gewöhnlicher Kapitalismus” war, die Hartz4-Macher in der SPD der  Bundesrepublik haben genau dieselbe Grundeinstellung: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! “Selbst wenn es keine zweckbestimmte Arbeit gab, wurden die Häftlinge zu völlig sinnlosen Tätigkeiten gezwungen” Auschwitz, S.213)  Wie beim Ein-Euro-Job nach Hartz4!  Man sollte ganz ernst nehmen, was die Nazis über das Tor schrieben: “Arbeit macht frei”, es könnte heute über jedem Jobcentereingangstor stehen, nur das direkte Umbringen hat das Kapital aufgegeben. Aber ein Kind von 120 Euro ernähren zu müssen, hat langfristig ähnliche Wirkung.”Man kann einen Menschen mit einer Wohnung genauso umbringen wie mit einer Axt,” sagte der mitleidsvolle Armenmaler Heinrich Zille. Kann man ein Kind mit Armut genauso umbringen wie mit Gas? Die Tendenz von Hartz-4 ist die Ausrottung der Armen statt der Armut.

Ich kann gut nachvollziehen, was Frau Olesky beim Abendbrot ihrer Familie über unseren Besuch erzählt haben wird: “Diese Deutschen! Erst machen sie Auschwitz, und dann wollen sie hinterher auch noch alles besser wissen!” Aber ich sah die Zwillingsopfer von Dr. Mengele, mit dessen Forschungen deutsche Pharmafirmen viel Geld verdient haben und begann wieder ein bißchen zu weinen. Wer vom Faschismus redet, darf vom Kapitalismus nicht schweigen. Über Birkenau ist Gras gewachsen.

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Bonustrac 1: “Das deutsche Haus” heißt die Jugendbegegnungsstätte bei den Einwohnern von Oswiecim, der Volkswagenkonzern ist Hauptsponsor und verbreitet stapelweise seine Reklame im Empfangsraum: ” Innovativ, werthaltig, verantungsvoll - diese drei Werte sollen das Profil der Marke Volkswagen weiter schärfen.Der neue Markenclaim demonstriert zudem Selbstbewußtsein: Volkswagen – das Auto.”

Bonustrac 2: Die Wirkung auf Jugendliche Besucher.
Einträge im offenen Gästebuch der Begegnungsstätte:

Es ist schwer zu begreifen, was geschehen ist.

Gymnasium Voerde 13.9.07

Was hier geschah, scheint falsch – unwahr.

Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint, ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre und ich glaube an Gott auch wenn ich ihn nicht sehe. Inschrift Warschauer Getto.

Wesergymnasium Vlotho

Wer Auschwitz gesehen hat, weiß, daß es keine Alternative zur europäischen Einigung gibt.

F.H. Meran

Es war Hammer Geil hier.

WG Böblingen

Hey ho war echt fett hier.

Elbe Gymnasium Boizenburg

Was auch nicht schlecht ist ist die Tatsache, daß man hier rauchen kann, das hat uns erspart, mitten in der Nacht rauszugehen. Wir haben uns gut amüsiert.

Laura, Frankreich, 10.4.07

Hüte deine Tüte, denn high sein bedeutet frei sein!

Chr.H.

Freude – Friede – Leben, aber wir gingen durch eine tote Hölle.
P.S. Rammstein ruls.

Chr.W.

Ich hatte Angst, überhaupt hierher zu fahren … Ich zeige ungern meine Gefühle, aber ich konnte einfach nicht mehr und es ist so grausam…ich mußte weinen! Ich danke dafür, daß ich die “wirkliche” Realität erfahren habe. Und ich werde mich dafür einsetzen, daß die dreckigen “Neo-Nazis” auch die Wirklichkeit erfahren!

C.L.

Hi Leute, wir kommen aus Gifhorn von der Albert-Schweizer-Schule. Polen ist ein schönes Land, mit hübschen Mädchen, es ist hier billig. Die Weiber sind nicht so eingebildet wie in Deutschland. Wir fahren (Sic!) am Donnerstag in einer geilen Disco in Krakau. Hier gibt es geiles Essen.

K.C. 25.4.07

Hübi hat nen Kleinen! Das weiß die THT2b aus Ratingen

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Bonustrac 3: Die Versendung dieses Artikels in privatem Rahmen führte zu unerwartet heftigen Beschimpfungen und Vorwürfen, besonders was die Genauigkeit meiner Zahlenangaben betrifft. Darauf schrieb ich eine letzte Erwiderung:

“Es muß wohl sein. Nach der Anmache aus dem antideutschen Lager habe ich mir die Mühe gemacht, nochmal ein paar der wichtigsten Belege aus den Standardwerken der NS-Terror-Forschung wiederzugeben. Ich möchte aber darauf hinweisen, daß ich mit meinem Auschwitz-Text einen eher impressionistischen Reisebericht über das heutige MUZEUM AUSCHWITZ und seine Wirkung auf mich als Besucher geschrieben habe und keine Gesamtgeschichte des “Holocaust”. Meine Eindrücke sind authentisch und nachvollziehbar “faktenfest”: Es sieht dort heute so aus als wolle jede der gegenwärtig in Polen herrschenden Mächte mit ihrer Version der Geschichte stiften gehen, soweit sie ihr nützlich ist. Das kritisiere ich. Wahrheit muß man erstmal anerkennen, bevor man eigene Interpretationen dazugibt.

1) “Katyn” ist tatsächlich immer noch unklar. Die Aufdeckung des Massakers an über viertausend polnischen Offizieren wurde von der Naziregierung punktgenau eingesetzt, um die Anthitlerkoalition zu sprengen. Deshalb haben Churchill und Roosevelt der Dokumentation der Sowjetregierung Glauben geschenkt, die minutiöse Beweise und Zeugenaussagen veröffentlichte, darunter auch physische und kriminaltechnische Belege, die kaum zu fälschen sind und die der Deutschen Wehrmacht die Schuld an dem Massaker anlasten. Zwar hat Rußlands Präsident Jelzin der polnischen Regierung die Kopie eines NKWD-Dokuments übergeben, das die Schuld der Sowjetunion beweisen soll, damit hat er diplomatisch Frieden zu dem westlichen Nachbarn hergestellt und scheinbar “Ruhe” an dieser Front. Allerdings haben Historiker, die das Original dieser Kopie einsehn wollten, nichts gefunden!

2.)  ” In den von der Sowjetunion annektierten Gebieten lebte eine beträchtliche Anzahl von Juden. In Litauen (ohne Wilna) gab es 150000 Juden, in Lettland 95000; in Estland 5000; in der westlichen Ukraine und im westlichen Belorußland 1127000; in Bessarabien und der nördlichen Bukowina 325000. Daraus ergibt sich für die jüdische Bevölkerung in dendiesen Gebieten  eine Gesamtzahl von 1.850.000. Zu diesen Angaben müssen ungefähr 200.000 jüdische Flüchtlinge aus dem von den Nationalsozialisten besetzten Polen gerechnet werden. Insgesamt lebten damals ungefähr 2.150.000 Juden in den annektierten Gebieten. Nur ein geringer Teil von ihnen konnte evakuiert werden, da die deutschen Truppen hier sehr rasch vorankamen. Wahrscheinlich konnten nicht mehr als 10-12 Prozent entkommen. Nicht alle erreichten die unbesetzten Gebiete der Sowjetunion; einige der Gegenden, in die sie fliehen konnten, wurden bald darauf von den deutschen Truppen überrannt. Für die in diesen Gebieten lebenden Juden, die entweder vor der Nazi-Invasion deportiert wurden oder unter Zwang ins Innere des Landes gebracht worden waren, müssen der oben genannten Zahl zwei bis drei Prozent hinzugefügt werden. Darunter waren jüdische Flüchtlinge , die sich entweder nicht um die sowjetische Staatsbürgerschaft bemühten oder sie nicht bekamen, und auch Juden, die als “antisowjetische Elemente” galten. Dazu gehören Aktivisten aus der zionistischen Bewegung, dem Bund und anderen politischen Parteien. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß 1.750.000-1.800.000 Juden in den sowjetisch annektierten Gebieten unter deutsche Herrschaft gerieten. Insgesamt beläuft sich die Zahl von Juden, die in den besetzten Gebieten der Sowjetunion in den Grenzen vom 22.Juni 1941 lebten und nicht mehr fliehen konnten oder evakuiert wurden, auf 2750000 bis 2.900.000 Personen” (Ehrenburg/Grossman: Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden, Hamburg 1994, S. 1023, Beitrag von Yitzhak Arad/Yad Washem) Annähernd die Hälfte der von den Nazis umgebrachten Juden waren demnach Bürger der Sowjetunion. Niemand kann sie mehr fragen, ob sie so selbstverständlich zu den “6 Millionen” gehören, mit denen Israel Staat macht.

3.) Die Gesamtzahl der getöteten Juden entnehme man dem bis heute genauesten Werk dazu: Wolfgang Benz Hg.,Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus,  Institut für Zeitgeschichte, München 1991 und Bundeszentrale für politische Bildung. Fazit: Man kann die wirkliche Opferzahl NICHT angeben, weil die Quellen zu ungenau sind oder fehlen oder Nazi-Quellen sind; mindestens jedoch viereinhalb Millionen Menschen. Und das nach sechs Jahrzehnten hochrangiger “Holocaust”-Forschung. Viel zu wenig ist  bisher über die Gesamtzahl der sowjetischen Opfer geforscht worden, sie dürfte bei 10 bis 25 Millionen liegen. Es wird kaum geforscht, weil sich hier das Interesse der “Shoah”-Forschung mit dem Interesse der Russen trifft, die der Roten Armee nicht die schlechte Verteidigung ihrer Bürger anlasten will. Auf jeden Fall sind die oft genannten Zahlen Angaben des Nazis Höß nicht sicher. Ehrlicher ist da sein Kumpel Perry Broad: “Im Winter 1941/42 wurden etwa 12000 russische Kriegsgefangene nach Auschwitz transportiert,… von diesen lebten kapp ein halbes Jahr später nur noch 150…Es wurden laufend Russen und Ukrainer eingeliefert…ein quer über die erste Seite ihrere Personalakte gedruckter Stempel lautete: “Vereinfachtes Verfahren! Sowjetische Arbeitskraft!” Das hieß, daß auf ihre Entlassung kein Wert gelegt wurde…es waren eben “sowjetische Arbeitskräfte”. Davon waren ja genug da, und es war absolut gleichgültig, ob einige Tausend mehr oder weniger starben.” ( Bericht von Pery Broad in: Auschwitz in den Augen der SS. Höß, Broad, Kremer. Oswiecim 2005.)

4.) Was war das überhaupt für ein merkwürdiger “Antisemitismus” der Nazis, der aus dem “gemütlichen” Cafehausrassismus der Wiener und Münchener Jahrhundertwende (sogar Thomas Mann war Antisemit, obwohl er eine Jüdin geheiratet hat) mit Kriegsbeginn ins wütend Eliminatorische umschlug? Eine Antwort gibt der “Kommissarbefehl” vom OKW, z.B. am 19. Mai 1941: “Verhalten der deutschen Truppen in der Sowjetunion….Der Bolschewismus ist der Todfeind des nationalsozialistischen deutschen
Volkes…Dieser Kampf verlangt rücksichtsloses und energisches Durchgreifen gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden und restlose Beseitigung jedes aktiven oder passiven Widerstands.” (Ehrenburg/Grossman: Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden, S. 1020) Hitler sah die Juden als infizierte Rasse an, als Träger des Virus Kommunismus, den auszurotten er im Auftrag der Großbourgeoisie angetreten war. Kein Wunder daß Nazis wie Schleyer oder Axel Springer sich später mit dem “tapferen Israel” anfreunden konnten, das waren ja Juden, die offenbar nicht vom bolschewistischen Virus befallen waren.
Die Betonung der “Holocaust”-Forschung auf dem “Rasse”- Aspekt ist m.E. zu einseitig und lenkt von den nachvollziehbaren und “materiellen” Gründen für die Judenmorde ab: Primitiver Raub; Enteignung von Firmen, Wohnungen, Kunstwerken, Bankkonten; Zwangsarbeit; Ausleihe von Arbeitskräften an deutsche Firmen, Ersatz von eingezogenen Arbeitern; Einschüchterung und Terror gegen möglichen Widerstand; Bezahlung der Besatzungskosten aus den eingezogenen jüdischen Vermögen wie es Götz Ali berechnet hat.; Pläne der SS, ein eigenes  Feudalreich im Osten zu errichten; Ausplünderung der mittelständischen relativ wohlhabenden Juden in Ungarn; und dann natürlich möglichst preiswertes Verschwindenlassen der nicht mehr Arbeitsfähigen.Es ist nicht nötig, zur Erklärung des “Holocaust” mythische und imgrunde unvernünftige Faktoren heranzuziehen, das soll nur die Schuld der deutschen Kapitalisten an diesen Verbrechen verhüllen, in Wahrheit liegt alles offen zutage.

5) Antisemitismus ist eine ansteckende Geisteskrankheit, deren Verbreitung nicht an das Vorhandensein von Juden gebunden ist.

Dr. Seltsam, am 7.November 2007, Jahrestag der Oktoberrevolution.

Zu diesem Thema gab es am 18. November 2007 unter dem Thema “Die ungeliebten Befreier. Oktoberrevolution und Auschwitz” eine Diskussion u.a. mit Dr. Susanne Willems in DR. SELTSAMS WOCHENSCHAU im Max und Moritz in Berlin

Einige nicht so bekannte Darstellungen zum Thema Raub, Häftlingsarbeit im NS etc:

  • Till Bastian, High Tech unterm Hakenkreuz. Von der Atombombe bis zur Weltraumfahrt. Leipzig 2005.
  • Eric A. Johnson, Der nationalsozialistische Terror. Gestapo, Juden und gewöhnliche Deutsche. Berlin 2001.
  • Richard Rhodes, Die deutschen Mörder. Die SS-Einsatzgruppen und der Holocaust. Bergisch Gladbach 2004.
  • Wassili Grossman / Ilja Ehrenburg, Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden. Hamburg 1994.
  • Tadeusz Borowski, Bei uns in Auschwitz. Erzählungen. Frankfurt/M. 2006
  • Zegota. Der Hilfsrat für Juden. Dokumente. Warschau 2002.
  • The Book of Alfred Kantor. New York 1971.
  • Robert Jan van Pelt / Deborah Dwork, Auschwitz. Von 1270 bis heute. Zürich 1998, Ffm.
  • Auschwitz in den Augen der SS. Höß, Broad, Kremer. Oswiecim 2005.
  • Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in Westberlin. Berlin/DDR 1965.
  • Faschismus-Getto-Massenmord. Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen während des zweiten Weltkrieges. Warschau 1960, Berlin/DDR, Frankfurt/Main.
  • Wolfgang Benz Hg., Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, Institut für Zeitgeschichte, München 1991 und Bundeszentrale für politische Bildung.
  • Ota Kraus/Erich Kulka, Die Todesfabrik. Prag 1958, Berlin(DDR) 1958.
  • Faris Yahya, Die Zionisten und Nazi-Deutschland. Beirut 1978. Dt.-Paläst. Studentenverein Westberlin.
  • Peter F. Koch, Die Geldgeschäfte der SS. Wie deutsche Banken den Terror finanzierten. Hamburg 2000.
  • Rudolf Hirsch/Rosemarie Schuder, Der gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte. Essays. Berlin/DDR 1987.
  • Waclaw Poteranski, Die polnische Widerstandsbewegung und ihre Darstellung in der Emigrantenliteratur. In: Kommission der historiker der DDR und der UdSSR, Protokoll der wissenschaftlichen Tagung in leipzig 25-30.11 1957, Bd.II Probleme der geschichte des zweiten Weltkriegs. Berlin/DDR 1958.
  • Markus Tiedemann, “In Auschwitz wurde niemand vergast.” 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt. Mülheim /Ruhr 1996.