Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
Dr. Seltsam ist politischer Kabarettist in Berlin bei DR. SELTSAMS WOCHENSCHAU, jeden Sonntag 13 Uhr im Wirtshaus Max & Moritz in Kreuzberg, dort am 20.8.2006 Heine im “Club der toten Dichter: Heine Brecht, Benn”. Dr. Seltsam hat Literatur u.a. an der Uni Hamburg studiert und dabei 1972 im Seminar von Prof Klaus Briegleb auch ein ganz Kleines an der derzeit besten Heine-Ausgabe mitgearbeitet.
Denke auch an den Film von Konrad Wolf “Ich war 19”, wo der russische Oberst Heine-Kenner ist - das ist typisch und wahr.
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heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
nothnagel
5. Oktober 2008 um 9:54 Uhr
Lieber Wolfgang,
so war das schon in der zweiten Hälfte der 70er Jahre, als ich versehentlich Germanistik studierte: Jeder hämmert sich seinen Heine zurecht: Der akademische Rat, bei dem ich ein Heine-Seminar besuchte, gab uns zu verstehen, das ganze linke Zeug sei bei Heine nur eine Art Abirrung, eine typische Spinnerei eines haltlosen Kreativen gewesen; einzelne Seminarteilnehmer aber, die den K-Gruppen anhingen, wollten uns weismachen, Heine sei ein strammer Kommunist (womöglich gar ein Maoist!) gewesen, habe das aber selbst manchmal nicht genau gewußt.
Die Wahrheit ist bei Heine nicht so einfach, wie sie sich die Anbieter von Erlösungsweisheiten gern machen wollen und auch nicht so angenehm, wie die dümmsten Verteidiger der bürgerlichen Ordnung es gern hätten. Ein Teil von Heine hat den Kommunismus glühend herbeigesehnt, die Gründe für eine solche Sehnsucht lagen ja im “Deutschland” der Heine-Zeit auch nur allzu offen auf der Hand. Eine andere Provinz im Inneren des Dichters fürchtete den Kommunismus mit ebenso großer Intensität. Da sieht man die prophetischen Qualitäten des Harry Heine: Denn dass der Kommunismus nur eine andere Art des Grauens ist, das wissen wir ja heute leider sehr genau. Und das stellt Biermann doch sehr richtig dar.
Allerdings müssen wir froh sein, dass Biermann Heine nicht zur Rechtfertigung des Irak-Krieges benutzt. Keine Frage, dass Biermann, fast immer, wenn er sein eitles Mundwerk anwirft, erbärmlichen, wichtigtuerischen Unsinn absondert. In diesem Fall, finde ich, tut er es nicht. Wer heute noch über Kommunismus reden will (und das ist ja keineswegs überflüssig), der muss auf jeden Fall, um ernstgenommen zu werden, die gigantischen Verbrechen des realexistierthabenden Kommunismus mit erwähnen, um glaubwürdig zu bleiben und um ernstgenommen zu werden.
Soweit meine bescheidene Meinung.
Mit den besten Grüßen,
Klaus Nothnagel