Heine, der ganz im Gegensatz zum “Eleganten Unsinn” der heutigen Poststrukturalisten einfache Worte suchte, aber nicht einfache Gedanken, hat als erster Hegels Einsichten volksfreundlich dargestellt (“Die Romantische Schule”) und popularisiert, etwa in diesem kommunistischen Gedicht:

Weltlauf
 
Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.
 
Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben —
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur, die etwas haben.
 
Aus “Lazarus”, 1851

Und noch 1855 analysiert er in der großen klassischen Ballade “Das Sklavenschiff” den ökonomischen Zusammenhang von Sklavenhandel, Unterhaltungskultur und Religion, es endet:

Verschone ihr Leben um Christi Will’n,
Der für uns alle gestorben!
Denn bleiben mir nicht dreihundert Stück,
So ist mein Geschäft verdorben.

Dies schmetterte ein Mensch in die europäische Öffentlichkeit, der mit einer rätselhaften Nervenlähmung, seit fast einem Jahrzehnt unbeweglich ans Bett gefesselt war und der 1855 noch ein knappes Jahr zu leben hatte. Wenn er auch , mehr oder weniger ironisch, am Ende fromm wurde, was man angesichts seiner körperlichen Leiden vielleicht verstehen kann, so blieb er doch immer Sympatisant der revolutionären Arbeiterbewegung. Harry Heine, wie er vor seiner Taufe 1823 anläßlich des juristischen Examens hieß, war schon Kommunist, als Marx und Engels noch in die Windeln machten.