Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
Heine, der ganz im Gegensatz zum “Eleganten Unsinn” der heutigen Poststrukturalisten einfache Worte suchte, aber nicht einfache Gedanken, hat als erster Hegels Einsichten volksfreundlich dargestellt (“Die Romantische Schule”) und popularisiert, etwa in diesem kommunistischen Gedicht:
Weltlauf
Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.
Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben —
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur, die etwas haben.
Aus “Lazarus”, 1851
Und noch 1855 analysiert er in der großen klassischen Ballade “Das Sklavenschiff” den ökonomischen Zusammenhang von Sklavenhandel, Unterhaltungskultur und Religion, es endet:
Verschone ihr Leben um Christi Will’n,
Der für uns alle gestorben!
Denn bleiben mir nicht dreihundert Stück,
So ist mein Geschäft verdorben.
Dies schmetterte ein Mensch in die europäische Öffentlichkeit, der mit einer rätselhaften Nervenlähmung, seit fast einem Jahrzehnt unbeweglich ans Bett gefesselt war und der 1855 noch ein knappes Jahr zu leben hatte. Wenn er auch , mehr oder weniger ironisch, am Ende fromm wurde, was man angesichts seiner körperlichen Leiden vielleicht verstehen kann, so blieb er doch immer Sympatisant der revolutionären Arbeiterbewegung. Harry Heine, wie er vor seiner Taufe 1823 anläßlich des juristischen Examens hieß, war schon Kommunist, als Marx und Engels noch in die Windeln machten.
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heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
nothnagel
5. Oktober 2008 um 9:54 Uhr
Lieber Wolfgang,
so war das schon in der zweiten Hälfte der 70er Jahre, als ich versehentlich Germanistik studierte: Jeder hämmert sich seinen Heine zurecht: Der akademische Rat, bei dem ich ein Heine-Seminar besuchte, gab uns zu verstehen, das ganze linke Zeug sei bei Heine nur eine Art Abirrung, eine typische Spinnerei eines haltlosen Kreativen gewesen; einzelne Seminarteilnehmer aber, die den K-Gruppen anhingen, wollten uns weismachen, Heine sei ein strammer Kommunist (womöglich gar ein Maoist!) gewesen, habe das aber selbst manchmal nicht genau gewußt.
Die Wahrheit ist bei Heine nicht so einfach, wie sie sich die Anbieter von Erlösungsweisheiten gern machen wollen und auch nicht so angenehm, wie die dümmsten Verteidiger der bürgerlichen Ordnung es gern hätten. Ein Teil von Heine hat den Kommunismus glühend herbeigesehnt, die Gründe für eine solche Sehnsucht lagen ja im “Deutschland” der Heine-Zeit auch nur allzu offen auf der Hand. Eine andere Provinz im Inneren des Dichters fürchtete den Kommunismus mit ebenso großer Intensität. Da sieht man die prophetischen Qualitäten des Harry Heine: Denn dass der Kommunismus nur eine andere Art des Grauens ist, das wissen wir ja heute leider sehr genau. Und das stellt Biermann doch sehr richtig dar.
Allerdings müssen wir froh sein, dass Biermann Heine nicht zur Rechtfertigung des Irak-Krieges benutzt. Keine Frage, dass Biermann, fast immer, wenn er sein eitles Mundwerk anwirft, erbärmlichen, wichtigtuerischen Unsinn absondert. In diesem Fall, finde ich, tut er es nicht. Wer heute noch über Kommunismus reden will (und das ist ja keineswegs überflüssig), der muss auf jeden Fall, um ernstgenommen zu werden, die gigantischen Verbrechen des realexistierthabenden Kommunismus mit erwähnen, um glaubwürdig zu bleiben und um ernstgenommen zu werden.
Soweit meine bescheidene Meinung.
Mit den besten Grüßen,
Klaus Nothnagel