Danke für die WM, Partei.
Jetzt aber: Mauerbau!

Junge Welt am 18. März 2006 (Sportseite)

Von Alex Kolodziejczyk

Im allgemeinen Prä-WM-Wahn wird häufig vergessen, wem »wir« die WM verdanken. Nein, nicht der »Kaiser« des Vitamin B und C war es (C für Cash). Der ehemalige Titanic-Chefredakteur, jetzige Hauptstadtbüroleiter und Die-Partei-Vorsitzende Martin Sonneborn hat dafür gesorgt, daß in diesem Jahr »die Welt zu Gast bei Freunden ™« ist. Also in der BRD. Unter anderem davon berichtete der Neuberliner am vergangenen Sonntag bei Dr. Seltsams Wochenschau in Berlin-Kreuzberg. Als bekennender Sportfeind wollte der Doktor trotzdem etwas über jene Bestechungsaffäre wissen, mit der die Titanic »uns« die WM 2006™ hergeholt hat. Dazu zitierte der Gast aus seinem Buch »Ich tat es für mein Land« (Originalantwort Sonneborns gegenüber britischen Medien zu den Beweggründen für die Bestechung der FIFA-Bosse). Am Vorabend der Entscheidung über das WM-Austragungsland hatte die Titanic ein offizielles Rundfax an die Entscheidungsträger versandt und ihnen, falls sie ihre Stimme der BRD schenken, einen Präsentkorb bester deutscher Genußwaren (Wurst, Kuckucksuhr etc.) zugesagt. Deshalb war die Bild gegenüber dem Konkurrenzmagazin später ausfällig geworden: »Sie sind ein ganz großes Schwein!« Rudi Völler hingegen hatte sich explizit bedankt: »Die Jungs haben die WM nach Deutschland geholt.« Am Ende drohten Beckenbauers Anwälte mit einer Strafe von 600 Millionen D-Mark, wenn man sich noch mal in Entscheidungen über FIFA- und UEFA-Turniere einmischte. Sonneborn: »Dann hätte ich mein Girokonto um 540 überziehen müssen.«

Als der Parteivorsitzende über das Bestechungsfax referierte, kam aus dem Publikum der Kalauer »Habta Faxen gemacht, wa?« Sonneborn bewies gute Manieren: »Kabarettist, wa?« Ansonsten zeugt der Fakt, daß sich der Vorsitzende den Lieblingssatz von Friedbert Pflüger zu eigen gemacht hat (»Es wurden Fehler gemacht – auch von meiner Partei«) von Gespür für die wirklich wichtigen Dinge im Politbizz. So warb er denn auch um Unterschriften für seine Partei, die »in einigen Dingsberger Wahlbüros an die 14 Prozent« erreicht hat. Der Doc: »Ich hab ja auch für die MLPD unterschrieben, da kann ich auch für euch unterschreiben.« »Gute Güte!« »Was?« »Gute Güte. Dann unterschreibst du bei uns aber nicht.« »Bitte?« »Dann darfst du bei uns aber nicht unterschreiben.«

An diesem Sonntag geht es bei Seltsam um »Urbane Penner – Prekäre Jobs.« Am 26. März gibt Marc-Uwe Kling ein Solo-Konzert, bevor er für auf Weltreise geht. Der Doktor ist am 26. bei der Soli-Matinee für die Ernst-Thälmann Gedenkstätte Ziegenhals.

(Kommentar Dr. Seltsam: Zum ersten mal im Leben auf der Sportseite! Danke Alex.)