Entertainerphilosoph, Autor und Erfinder des Wortvarietés
Max und Moritz und mehr
Jeden Sonntag lädt Dr. Seltsam, Urgestein der Berliner Lesebühnen und Autor dieser Zeitung, nach Berlin-Kreuzberg zur “Wochenschau”. Isabel Neuenfeldt macht Musik, und Dr. Seltsam unterhält sich mit illustren Gästen – in der letzten Zeit zum Thema “60 Jahre CDU”.
So erzählte am 5. Juni etwa Altkader Till Meyer von der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz (im März 1975) durch die Bewegung 2. Juni. Eine Woche später war dann der nicht entführte ehemalige hauptstädtische CDU-Vorsitzende und amtierende Bürgermeister von Berlin-Mitte Joachim Zeller, angekündigt, und zur allgemeinen Überraschung auch erschienen. Willig und freundlich ließ er sich von Dr. Seltsam verhören. Es ging um die Tatsache, daß er in Berlin Mitte Neonazis in Sichtweite der Synagoge aufmarschieren ließ. Wortreich erklärte er, keine Handhabe dagegen gehabt zu haben. Es war aber auch Professor Günter Fischer, DDR-CDU, anwesend, der den Bürgermeister auf Artikel 139 des Grundgesetzes hinwies, nach dem ein einfacher Befehl der ehemaligen Besatzungsmächte genügen würde, die Nazis zu unterdrücken.
Am kommenden Sonntag stehen “50 Jahre Bundeswehr” zur Debatte. Unter anderem kommt Rechtsanwalt H.-Eberhard Schultz, um die Frage “Menschenrechte nur noch für rechte Menschen?” zu erörtern.
Junge Welt
* Sonntag, 19. Juni 2005, 13 Uhr, Max & Moritz, Berlin Kreuzberg, Oranienstraße 162
heißt eigentlich Wolfgang Kröske und ist politischer Kabarettist und Autor.
Von 1984 bis zu seinem Rauswurf 1989 hielt er als Theaterkritiker die rote Fahne bei der „taz” hoch. In der „Wende”-Zeit ein Jahr Schuldirektor in Cottbus. Gründer der legendären Berliner Lesebühne „Dr. Seltsams Frühschoppen”. Organisator politischer Lesungen (besonders zum Werk des von den Nationalsozialisten ermordeten Anarchisten Erich Mühsam). Bestreitet heute an jedem Sonntag als Moderator mit wechselnden Gästen „Dr. Seltsams Wochenschau”. Schreibt regelmäßig für die „Junge Welt”.
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