Ich empfehle die Einrichtung einer kleinen Stiftung für die Verleihung eines unabhängigen “Antifa-Filmpreises” bei der Berlinale, und sei es nur, um laut und deutlich zu verkünden, dass so etwas wie “Sophie Scholl” kein antifaschistischer, ja nicht mal ein politischer Film ist, sondern schön designte affirmative gequirlte Kacke. (Letzter Satz: “Sie ist ihrem Volk verpflichtet.”) Kandidaten für meinen Filmpreis wären einige der neuen Werke aus dem Forum-Programm, etwa “Zwei oder drei Dinge, die ich von ihm weiß” über die Familie des Naziverbrechers Ludin. Die Schuld der Väter zerreißt jede deutsche Familie und jeden Deutschen: Die Hitlerei hat uns auf Generationen zur Schizophrenie verurteilt.

“Richtigen” lustigen Widerstand bis hin zum Einzelkampf gegen NS-Einheiten zeigen die “Edelweißpiraten” aus Köln-Ehrenfeld, ein spritziger Jugend- Spielfim von Niko von Glasow, der viel eher die Lorbeeren der “Sophie Scholl” verdient hätte. (Zwei kurze Filme über schwule Nazis und über Goebbels Tagebücher werden es wohl  nicht in die Kinos schaffen.)

Viel wichtiger als der deutsche Bezug erscheinen mir einige weltweit anerkannte Produktionen, die mit faschistischen Grundhaltungen aufräumen:  Eine glänzende Widerlegung des “wissenschaftlichen Rassismus” in dem Abenteuerfilm “Man to Man”, der demnächst in die Kinos kommt; unbedingt ansehen muß man auch das Hohelied auf die Zivilcourage in “Hotel Ruanda”, beide mit südafrikanischem Kapital gedreht: Offenbar machen Völker, die einen revolutionären Kampf bestehen, bessere Kunst. Das gilt auch für meine schärfste Empfehlung: “Paradise Now” über palästinensische Selbstmordattentäter und ihre Gründe. Das  muss  man sehen, falls sich die Möglichkeit bietet.

Die Filmfestspiele 2005 waren popliger, unpolitischer und unglamouröser als je zuvor. Sponsoren waren das ZDF (“Hier schläft man in der zweiten Reihe”), Lóreal (weltbekannte Giftcocktails) und Hugo Boss, die Modefirma, die schon die Originale der zackigen schwarzen SS-Uniform entworfen hat, deren Film-Kopien heuer so viele junge Menschen begeistern. Das passt wieder.

Anmerkung: Wunderbar karikiert in dem österreichischen Salzburg-Krimi SILENTIUM: “Hitler hat nichts mehr gehaßt als Lärm, aber er liebte Wagner. Und dann ist das letzte was so ein Mann im Leben hört, der Knall einer Pistole im Bunker. Irgendwie tragisch.”