Prothesenverlosung

Auch allerlei “technisches” Gerät wurde zur Schau gestellt, wie es sich ja für eine Parade gehört. Mittels Farbe, Klopapierrollen und Tarnnetz liess sich aus so manchem VW-Passat ein ganz passabler Panzer zaubern, von dessen Höhe herab es sich für so manchen selbsternannten Obristen oder General in “Michael-Jackson-artiger” Phantasiemontur prima vorbeiparadieren und -salutieren liess. Auch die “Luftwaffe” hatte ihren neuesten Eigenbau auf einen Kipplaster montiert und lud zum Abheben ein.

Ferner fand eine Prothesenverlosung statt und eine mobile Musterungskommission schrieb tauglich, was das Zeug hielt, notfalls unter Zuhilfenahme der zu verlosenden Prothesen. Williges Volk war stets zugegen, es trug Schafsmasken und Transparente mit der Aufschrift: “Mäh”.
Zu guter Letzt durfte auch die Militärmusik nicht fehlen. Es gab einen Wagen mit diversen Bands, die während des Umzugs ihr Programm zum besten gaben. Abgeschlossen wurde der Zug von einem, neuerdings ja obligaten, Tekkno-Wagen für die vollends Bewegungssüchtigen - quasi als abschliessende Wehrertüchtigung.

Tausende jubelten mit

Nach offiziellen Angaben und inoffiziellen Schätzungen nahmen an der Jubelparade zwischen 3000 und 15000 Personen teil. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle (also “friedlich”) und kam auch mit relativ geringem Polizeiaufgebot aus. Die Atmosphäre war entspannt bis freundlich, da sich immer wieder interessierte Paradeteilnehmer bei den Ordnungshütern erkundigten, woher diese denn ihre supergeilen Fummel herhätten und zu welcher Einheit sie überhaupt gehören würden?

Einen Haken hatte die Angelegenheit natürlich doch, wie ja eigentlich alles im Leben. Es gab nämlich eine Vorgeschichte, und die geht so:

Schon vor ca. einem Jahr entstand die Idee zu dieser Aktion und es bildete sich ein Organisationsstab unter der “Schirmherrschaft” der Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär und eben des Kabarettisten Dr. Seltsam, welcher unter dem Pseudonym AMOK (antimilitaristisches Organisations-K.O.M.I.T.E.E.) aktiv wurde. Die ursprüngliche Route sollte vom Alexanderplatz über die Strasse Unter den Linden durch das Brandenburger Tor führen, also der traditionell-historischen Paradestrecke Deutschlands folgen. Da diese Strecke sich nicht nur bei antimilitaristischen Kreisen allgemeiner Beliebtheit erfreut und dort auch regelmässig das ernstgemeinte “Deutschlandfest” zum Einheitsfeiertag stattfand, galt es, sich diese Route frühzeitig zu sichern. So wurde die Jubelparade bereits vor einem Jahr für diese Strecke polizeilich angemeldet, um eventuellen anderen Nutzern zuvor zu kommen.

Dies gelang jedoch leider nicht, da der offizielle Berliner Filz der “Partner für Berlin GmbH”, die obendrein noch einem ehemaligen Berliner Senator gehört und traditionell das “Deutschlandfest” veranstaltet (der Rubel rollt), den Vorzug gab. Dies, obwohl diese ihre Veranstaltung wesentlich später angemeldet hatten. So mussten wir auf eine Alternativroute ausweichen, die bei weitem nicht so spektakulär war. Nichtsdestotrotz liessen wir uns unseren Wehrwillen nicht nehmen und auch mit anderer Streckenführung kamen alle voll auf ihre Kosten. Eine Lehre, die allerdings daraus gezogen wurde, ist, dass es nicht nur Jubelparaden zum “Militärischen Komplex” braucht, sondern auch zu so manch anderem Thema. So wird es wohl bald auch einen “Umzug des Filzes” geben und viele dieser nützlichen Sachen mehr.

So lasst uns also jubeln, Hohelieder singen, preisen und zelebrieren bis zum Abwinken, denn:
STRAHLEND WIRD DIE ZUKUNFT SEIN