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Kommende Termine

  • Demo mit Dr. Seltsam 01.09.10

    Antikriegstag - Tatort Kurdistan

    Tatort Kurdistan am 1. September- Kundgebung und Konzert

    Am 1. September 2010,  wird es in Berlin eine Protestkundegbung geben,
    bei der die Rolle deutscher Unternehmen und der Bundesregierung in dem Krieg gegen die kurdische Bevölkerung in der Türkei sichtbar gemacht
    wird.Die Kundgebung steht im Rahmen des bundesweiten Aktionstages
    Tatort Kurdistan. Am 1. September 2010 finden in vielen Städten
    Protestaktionen gegen die deutsche Unterstützung für den Krieg in
    Kurdistan statt.

    Berlin: Kundgebung & Konzert am 1.9.2010 | 16 Uhr | Heinrichplatz

    Es spielen u.a. Yok (Pocketpunk, Berlin), Muharrem (Kurdischer Rap),
    Ozan Hikmet (Kurdische Folklore), Jenz Steiner (Rap, Berlin), Detlev K. (Rebel-Songs)

  • Dr. Seltsams Wochenschau 05.09.10

    Verkehr, Auto, Bundesbahn und Stuttgart 21

    Teilnehmer meiner Gesprächsrunde sind Frank Möller von dem autokritischen Netzwerk CARambolagen sowie Brigitte und Manuel, die an den Protestakionen gegen das Projekt "Stuttgart 21" am Hauptbahnhof der Schwabenmetropole teilgenommen haben und direkte Augenzeugenberichte von den erstaunlichen Entwicklungen dort geben werden. Damit ist Dr. Seltsams Wochenschau die ERSTE Veranstaltung in Berlin zum Thema S21. Kommen Sie und informieren Sie sich aus erster Hand. Ein bischen Sarazin gibt es auch sowie passende Musik von Detlev K.

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LOVE PARADE 2010

Eingestellt in: Aktuelles

Ein halbes Tausend Opfer für das Kapital

Ich bin ein etwas korpulenter Typ und nach der soundsovielten Aufforderungen mal was gegen meinen Bauch zu tun, sprach ich bei den Geräteturnern der Firma Kieser vor. Schweizer Gediegenheit, aber auch Schweizer Preise, erwarteten mich; über 600 Euro fürs Jahr, das war mir denn doch zu teuer. Aber ich sprach mit den Leuten dort. Ohne Gesundheitscheck und Rückenstatus werde ich gar nicht an die Geräte gelassen. „Da kann soviel passieren, wenn sie das falsch anfangen, das wollen wir gleich verhindern. Sonst kommen sie wie bei den Billig-Muckibuden kränker wieder raus als sie reingegangen sind.“ eröffnete mir der personal trainer. Ach sagte ich beunruhigt, für mich war Muskeltraining immer mit dem Anblick von grotesk verzerrten Türkenjungs verbunden, deren hypertrophierte Schultergürtel und Oberschenkel den Missbrauch von zentnerweise Eiweißpulver und verbotenen Wachstums-Hormonen anzeigen, und die spätestens in zehn Jahren künstliche Nieren brauchen. Nee, sagte mein Informant, diese Testosteron-Opfer, die sich auch noch mit Tilidin schmerzfrei machen und dann als süperaggressive Kampf-und Kill-Maschinen durch den Alltag toben, die gibt es bei uns nicht. Wenn die auf Teufel-komm-raus ihre Muskeln schinden, dann bricht schon mal ein Wirbelkörper oder das verengte Herz platzt oder es gibt einen nachhaltigen Muskelabriss, der eigentlich in der Sportklinik behandelt werden muss, aber das zahlt keine Krankenkasse, und so laufen viele junge Leute rum, die sich bei falschen Übungen auf den falschen Geräten zu lebenslangen Schmerzen gestemmt haben, das sind die MacFit-Krüppel.-

Dies Gespräch fand statt ein paar Monate vor Duisburg und das Wort „MacFit-Krüppel“ wirkte nachhaltig und gewisseneinschläfernd in mir. Bis zum 24.Juli wußte ich nicht mal, dass es einen Fitnesskonzern dieses Namens gibt, der fast eine Milliarde Umsatz macht und unter Jugendlichen ein wesentlich ungefährlicheres Image besitzt als bei mir. Jetzt nach dem Unglück frage ich mich natürlich, wo unsere investigative Metropolen-Journaille bleibt: Selbterfahrung auf verdreckten, kaputten und knochenbrechenden Macfit-Geräten, das wäre doch der Reportage-Auftrag der Stunde! Wieviele Macfit - Krüppel gibt es? Wieviele Anabolika-Kranke? Wie wird dort geschult? Ist der Umgang mit den anvertrauten Körpern und der Sicherheit dort genauso unverantwortlich wie im Duisburger Tunnel? Das will ich im TV sehen und nicht die heuchlerischen Gummimienen unsrer Oberen.

Dass alles dieses NICHT zu lesen und zu hören ist, deutet auf Angst und Korruption bei den Medien hin. Wahrscheinlich hat Macfit so gute Anwälte, die schon im Voraus Warnschreiben verschicken, und jeder Diskutant hält sich daran. Die ganze Loveparade war ein Werbehype für Macfit, als Werbungskosten auch noch von den Steuern abzusetzen. Natürlich geht es hier um Millionen-Verluste, nicht nur die Unterdeckung durch die Versicherung, sondern die gesamte Konstruktion der Macfit-Gruppe sollte durchleuchtet werden. Da soll niemand genauer hinschauen dürfen. Und verdächtig schnell winken die Moderatoren ab, wenn jemand Schaller die Schuld an den Toten geben könnte. Stattdessen wird der Rücktritt des dämlichen Oberbürgermeisters gefordert, das wäre ein typisches Bauernopfer, um die Diskussion von der Profitgeilheit des Kapitalbesitzers abzulenken.Auch das Internet wirkt wie gesäubert von naheliegenden Anklagen, stattdessen findet sich öfter die Frage: „Wer ist denn dieser Schaller eigentlich?“ Das heißt, diese Menschen sind zu diesem Tanzvergnügen geströmt ohne sich überhaupt zu fragen, wer veranstaltet das und wozu. Wahrscheinlich dachten sie, die Stadt Duisburg will den Jungen anlässlich „Ruhr 2010“ mal einen Gefallen tun. Nur ein kluger Hacker hat sich auf der Macfit-Seite mit den schwarzen Traueranzeigen durchgesetzt und postet hundertmal:“Während Schaller mit drei Girls vögelte und seine Millionen verkokste, starben Menschen. Fuck Kapitalismus, Fuck MacFit:“ Offenbar ein gut informierter Augenzeuge, hoffentlich passiert ihm nichts! Wenn wir nicht so eine kreuzbrave Prollschicht hätten, würden sich die Eltern der Opfer mit Ihren Entschädigungssummen zusammentun wie in dem belgischen Anarchofilm „Louise hires a contract Killer“ und dem Verursacher dieses Opferfestes auf den Pelz rücken.

Oder zumindest mal einsehen, dass dieses Toten Opfer des Kapitalismus sind. Aber wie bei der Ölpest und wie bei der Finanzkrise, schaffen es die Verantwortlichen immer, zu Gott zu beten und ihre eigene doch so offensichtliche Schuld abzuwimmeln. Die Linken und die DKP haben ihre Trauer um die Toten zum Ausdruck gebracht. Na, ich weiß nicht. Mir sind Leute, die umsonst zu Tekkno tanzen, das heißt sich ihr Hirn rhythmisch leer schlagen wollen genauso widerlich wie andere Süchtige. Und die muskelstarken Burschen, die als erste über die Treppe der Panik entkamen, machten grinsend das Victory-Zeichen statt Hilfe zu holen:Genauso dumm stelle ich mir diese Massen vor! Jedes Volk hat die Musik, die es verdient: Italien die Oper, Frankreich das Chanson und Deutschland eben elektronische Marschmusik.

Am Sonntag war wieder die Show Dr.Seltsams Wochenschau. Thema war „Der Mauerbau“ und da sagte ich zum Duisburg-Vorfall: In der DDR hätte sowas wie das Unglück von Duisburg nicht passieren können! Das beste an der DDR-Kultur waren Ernst Busch, das Brecht-Theater und gerade die Jugend-Events, das Festival des politischen Liedes und die Weltfestspiele, an denen Hunderttausende teilnahmen und ausgelassen, weltoffen und interessiert sich auf sinnvolle Weise einbringen und agieren konnten. Auch dort waren die Jugendlichen ausgelassen, aber diese blinde selbstzerstörerische Amüsierwut sah man in diesem Masse nicht und auch nicht die Lust am selbstvergessenen autistischen Sichzudröhnen. Die DDR-Jugend empfand sich im besseren Sinne kollektiver, zumindest solidarischer, glaube ich. Die Lust zur Selbstzerstörung der Jugendlichen kommt doch daher, dass sie in Ihrem Alltagsleben keinerlei Spannung, Erfolge, Zukunftsaussichten mehr haben. Das ist dieselbe Grundstimmung, mit der die jungen Männer 1914 in den Krieg gezogen sind: Hauptsache mal was anderes als der Alltagstrott und die entfremdete Existenz. Statt Drushbatrasse und Jugendkollektiv hat unsere Jugend die einsame Angst vor der Zukunft, die Aufforderung zum egoistischen Ellbogenkampf gegen alle und dafür gut aussehen und harte Muskeln. Da steckt der Zusammenhang von Mcfit und Tekknotanzen. Man müsste noch mehr über diesen MC-Fit-Chef erfahren. Das ist doch der Hauptverbrecher, wahrscheinlich nimmt er in seinen Muckibuden genau sowenig Rücksicht auf seine sich ihm anvertrauende Kundschaft wie am alten Güterbahnhof in Duisburg. Man müsste mal erfahren, wie viele Leute da schon mit Schäden rausgegangen sind. Außerdem wüsste ich gern etwas mehr über eine Meldung aus dem Fernsehen: Was waren denn das für 300 "Trauerdemonstranten" mit dem open mike vor dem Rathaus, die diejenigen Leute weggebuht haben, die von Kapitalismus und Krieg geredet haben. In diesem Fall ist der Zusammenhang ja wohl offenkundig. Waren das "unsre Linken" oder irgendwelche „empörten Kleinbürger“, die sich ihre begrenzte Trauer nicht in grenzenlose Wut auf den Kapitalismus verwandeln lassen wollen, weil sie dann kritisch tätig werden müssten?

Noch zwei Anmerkungen: Interessant, wie sich gegenwärtig alle Beteiligten in der Presse die Verantwortung gegenseitig in die Schuhe schieben. Warum haben wir eigentlich keine Linke, die in solchen Situationen, wo die Schuld des Unternehmers mal exemplarisch an der Oberfläche zu sehen ist, die Wut der Massen aufgreifen und in eine wütende antikapitalistische Bewegung verwandeln kann. Das Fehlen solcher Initiative kann doch nur bedeuten: Die Linke kneift vor ihren Aufgaben. Und Zweitens: Vorher kannte ich die McFit -Kette nicht, jetzt kennen Millionen diese Marke. Also ein erfolgreicher Werbefeldzug. Dafür sind zwanzig Tote doch nicht zuviel?!

Dr. Seltsam 1.8.2010

Wochenschau Brauhaus Suedstern

Klub Samowar im BAIZ